Das Tor zur Versicherungswelt

Prof. Dr. Petra Steinorth (im Bild/Foro:privat) ist seit dem 1. Februar 2018 neue Professorin an der Hamburger Uni, Fakultät BWL. Sie übernimmt die Professur für Risikomanagement und Versicherung von dem frühzeitig verstorbenen Prof. Nell. Petra Steinorth studierte Wirtschaftsmathematik an der Universität Hamburg und promovierte nach einem Masterstudium in betriebswirtschaftlicher Forschung an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Für ihre Doktorarbeit erhielt sie diverse Preise, unter anderem 2011 den Hamburger Promotionspreis, den Vorgängerpreis des VFVH-Excellence Awards. Nach ihrer Promotion wechselte sie als Assistant Professor an die St. John's University in New York. Neuer Arbeitsplatz sind nun die Räume im Haus der Betriebswirtschaft in der Moorweidenstraße 18. Petra Steinorth ist verheiratet und hat drei kleine Kinder. Wir heißen Petra Steinorth herzlich willkommen und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit ihr. In einem Interview stellte sie sich den Fragen des VFVH.

 

VFVH: Was haben Sie sich vorgenommen für Ihre Professur?

Prof. Dr. Petra Steinorth: Ich habe mir auf jeden Fall sehr viel vorgenommen. Internationalität ist mir persönlich sehr wichtig, so möchte ich gern an der Universität Hamburg einen international sichtbaren Forschungsschwerpunkt im Bereich Risikomanagement und Versicherung aufbauen. Z.B. möchte ich Spitzenforscherinnen und -forscher aus aller Welt für Aufenthalte in Hamburg gewinnen, damit wir unsere Ideen austauschen und gemeinsam diskutieren können. Gleichzeitig wollen wir hier am Institut auch Topforschung produzieren, auf internationalen Konferenzen präsentieren und in den weltweit besten Risikomanagement- und Versicherungsjournals publizieren. Die Vernetzung in die Praxis liegt mir ebenfalls sehr am Herzen. Der Dialog und Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Praxis kann nur erfolgreich sein, wenn er bilateral stattfindet. Ich freue mich sehr, den Versicherungsstandort Hamburg, dessen Akteure und insbesondere Menschen besser kennenzulernen. Gleichzeitig möchte ich mich hier auch einbringen, um meinen Beitrag für den Standort zu leisten. Das bestehende Hamburger Zentrum für Versicherungswissenschaft und die Kooperation mit dem VFVH bieten für diese Projekte die ideale Ausgangsplattform. Exzellente junge Leute für die Themen unserer Branche zu begeistern, steht ebenfalls auf meiner Agenda für die nächsten Jahre. Wir kämpfen in der Branche ja ein wenig mit unserem Image, „spießig“ und „verstaubt“ zu sein. In der Lehre ist es mir daher sehr wichtig, junge Leuten aufzuzeigen, wie viele spannende Themen uns im Umfeld Risikomanagement und Versicherung momentan bewegen und dass die Klischees gar nicht zutreffend sind.  

Gibt es in diesem Jahr einen Forschungsschwerpunkt?

Forschungsschwerpunkte gibt es viele. Ein Bereich, der mich in den letzten Jahren sehr beschäftigt hat, ist das, was unter dem Stichwort „Behavioral Risk and Insurance“ verortet wird. Hierbei geht es insbesondere um gewisse Verhaltensmuster, die Individuen im Bereich des Eingehens von Risiko und der Nachfrage nach Versicherungen zeigen, und wie solche Verhaltensmuster häufig durch kleinere oder größere Veränderungen (z.B. in der Präsentation von Informationen) verändert werden können. Da gibt es manchmal schon erstaunliche Ergebnisse. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt von mir liegt seit vielen Jahren im Bereich Lebens- und Krankenversicherung. Insbesondere habe ich mich mit innovativen Rentenversicherungsprodukten beschäftigt. Im Krankenversicherungsbereich untersuche ich gerade in mehreren Projekten den amerikanischen Krankenversicherungsmarkt, auf dem in den letzten Jahren sehr viele Veränderungen stattgefunden haben – Stichwort „Obamacare“ und das ganze hin und her, das damit verbunden war und ist. Aber auch hier in Deutschland wird ja viel diskutiert um die Zukunft des Krankenversicherungsmarktes, da gibt es auch sehr viele spannende Fragestellungen. Insgesamt finde ich das einen der schönsten Aspekte meines Jobs, spannende Themenfelder zu identifizieren und dann etwas ganz Neues zu erforschen.

Was waren die besonderen Erfahrungen Ihrer Auslandstätigkeit?

Ich kehre nach einer 6,5-jährigen Tätigkeit als Professorin an der St. John’s University in New York nach Hamburg zurück und diese Zeit hat mich sehr geprägt. New York ist eine tolle Stadt und gleichzeitig auch einer der größten globalen Finanz- und Versicherungsstandorte. Da ist natürlich eine Menge Bewegung und ich habe viele interessante „Größen“ der Branche kennenlernen dürfen. Gerade im Bereich der Zusammenarbeit von Hochschulen und der Praxis können wir hier sicherlich eine ganze Menge lernen. Aber natürlich ist drüben auch nicht alles besser und es ist nicht alles Gold, was glänzt. Um insgesamt ein Fazit zu ziehen, würde ich sagen, dass einiges dort besser läuft, einiges schlechter, und vieles ist einfach anders. Umso mehr freue ich mich, meine Erfahrungen aus dieser Zeit hier in Hamburg einbringen zu können.

Was kennzeichnet den Hochschulstandort Hamburg bzw. was macht ihn besonders reizvoll?

Der Hochschulstandort Hamburg und insbesondere die Universität Hamburg kennzeichnet sich momentan dadurch aus, dass hier vieles in Bewegung ist und wichtige Prozesse angestoßen wurden und werden. Das klare Bekenntnis der Politik zum Wissenschaftsstandort Hamburg hat sicherlich seinen Teil dazu beigetragen. Ich bin stolz darauf Mitglied in der erst in 2014 gegründeten Fakultät für Betriebswirtschaft an der Universität Hamburg zu sein, die trotz ihres jungen Alters laut Rankings die zweitforschungsstärkste BWL-Fakultät Deutschlands ist. Dazu leiste ich in den kommenden Jahren gern meinen Beitrag. An der Universität Hamburg passiert auch gerade ganz viel, sie war außerordentlich erfolgreich in der Vorentscheidung zu Exzellenzclustern und darf sich berechtigte Hoffnungen machen, in diesem September eventuell in die Liste der Exzellenz-Universitäten aufgenommen zu werden. Drücken Sie uns also die Daumen.  

 Wie wichtig sind Auszeichnungen wie der Excellence Award für junge Wissenschaftler?

Ich glaube, dass solche Auszeichnungen ganz wichtig für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind. Forschungs- und Publikationsprozesse sind in der Wissenschaftswelt häufig sehr langwierig und können über Monate oder Jahre andauern. Es gibt immer wieder Durststrecken, Lehrjahre sind bekanntlich keine Herrenjahre. Insofern ist die Anerkennung nach getaner Arbeit umso schöner. Ich habe damals für meine Dissertation neben anderen Preisen auch den Promotionspreis bekommen (also quasi den Vorgängerpreis des Excellence Awards) und mich damals sehr darüber gefreut. Es wurde ein schöner Trip nach Hamburg daraus, ich fand die Preisverleihung sehr gelungen und über das Geld habe ich mich damals natürlich auch gefreut.  

Machen Sie jungen berufstätigen Frauen Mut zum Kinderkriegen: Wie bewältigen Sie Ihren Alltag mit drei kleinen Kindern und Karriere im Job?

Ich möchte eigentlich sowohl jungen berufstätigen Frauen als auch Männern Mut machen, Kinder zu bekommen und sich aktiv Zeit für ihre Familie zu nehmen. Für mich und meinen Mann sind unsere Kinder eine wunderbare Bereicherung unseres Lebens, die uns in vielen Bereichen über uns hinauswachsen haben lassen. Gleichzeitig möchte ich auch gar nicht verschweigen, wie anstrengend es sein kann, Kinder zu haben. Tipps zum Thema Alltagsbewältigung sind für mich insbesondere drei Sachen: priorisieren, realistische Erwartungen haben und Hilfe annehmen. Priorisieren und realistische Erwartungen zu haben geht dabei sehr Hand in Hand. Nach der Geburt eines Kindes ist faktisch einfach sehr viel weniger Zeit da - da muss man die wichtigsten Dinge erledigen und andere Sachen eben einfach auch mal liegen lassen können, im übertragenden und im eigentlichen Sinne. Hilfe annehmen zu können und notfalls auch einzufordern, finde ich auch ganz wichtig. Als meine Tochter geboren war, habe ich zwei Wochen nach der Geburt Klausuren zu meinen Vorlesungen korrigiert mit ihr im Arm, obwohl mir mehrere Kollegen angeboten hatten, das für mich zu erledigen. Im Nachhinein hätte ich das Angebot auf jeden Fall annehmen sollen, weil es mich ganz schön geschlaucht hat. Als dann 20 Monate später meine Zwillinge geboren wurden, war relativ schnell klar, dass es ohne Hilfe eigentlich gar nicht geht. Angebote kamen aus der Familie, von Freunden, Kollegen und Nachbarn, aber auch in Form von bezahlter Hilfe. Hilfe anzunehmen ist auch eine Sache, die ich durch meine Kinder viel besser gelernt habe. Und das Wunderbare daran ist, dass sich einem später noch viele Gelegenheiten bieten, diese weiterzugeben.

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